Wenn die Seele den Körper verlässt
- Gabriela Maria

- 16. Aug.
- 6 Min. Lesezeit

Der Weg der Seele – vom All-eins-Sein in die Polarität und voller Erfahrungen zurück
Persönliche Erlebnisse, berührende Übergänge und die Gewissheit der Unsterblichkeit der Seele
In den letzten Tagen habe ich wieder viel über Nahtoderfahrungen recherchiert und mich dabei an die Bücher von Elisabeth Kübler-Ross und Raymond Moody erinnert, die ich schon als Jugendliche gelesen habe. Diese Bücher enthalten Berichte, die mich tief berühren – Schilderungen von Frieden, Licht und Begegnungen, die Menschen am Rand des Todes erfahren haben.
Ich habe zudem mit Menschen über dieses Thema gesprochen – und dieser Blog ist nun der Ausfluss dieser Recherchen, meiner Gedanken und der geführten Gespräche.
Der Tod als Tor
So viel Schrecken der Tod im Alltag noch auslösen mag – in Wahrheit ist er ein Tor. Kein Ende, sondern ein Weitergehen. Elisabeth Kübler-Ross, Pionierin der Sterbeforschung, sammelte unzählige solcher Erfahrungen (Kübler-Ross, 1972; Kübler-Ross & Student, 2018). Auch Raymond A. Moody (2009), Pim van Lommel (2007) und Bruce Greyson (2021) fanden in ihren Forschungen immer wieder dieselben Muster: Menschen schildern, wie sie den Körper verlassen, einem Licht entgegengehen, geliebte Verstorbene treffen und dabei eine unendliche Liebe spüren.
Was Menschen beschreiben
Die Berichte ähneln sich in vielerlei Hinsicht:
· Loslösung vom Körper, häufig mit dem Blick „von oben“
· Tiefe Ruhe und Geborgenheit
· Tunnel oder Licht, das anzieht und willkommen heißt
· Begegnungen mit Verstorbenen oder lichtvollen Wesen
· Lebensrückschau – das eigene Leben mit all seinen Wirkungen sehen
· Das Wissen: „Ich bin mehr als mein Körper. Ich existiere weiter.“
Eine Vielzahl der Forschung beschreibt ähnliche Muster weltweit – unabhängig von Religion oder Weltanschauung (vgl. Kübler-Ross & Student, 2018; Moody, 2009; van Lommel, 2007; Greyson, 2021). Zugleich zeigen kulturvergleichende Studien, dass die individuelle Ausprägung stark von kulturellen und religiösen Hintergründen geprägt sein kann (vgl. Kellehear, 1993, 2008).
Ein Blick in den Buddhismus – Leben, Tod und die Kontinuität des Seins
Auch im Buddhismus finden wir eine tiefe Sicht auf Leben und Tod. Daisaku Ikeda schreibt: „Leben ist nicht etwas, das mit der Geburt beginnt und mit dem Tod endet, sondern ein fortdauernder Fluss“ (Ikeda, 2003). Der Tod ist dabei nicht das Ende, sondern eine Ruhephase – wie eine Nacht, die den neuen Tag vorbereitet (Ikeda, 2014).
Nichiren Daishonin betonte bereits im 13. Jahrhundert, dass die Buddhanatur in jedem Menschen unzerstörbar sei (Nichiren, 2014). Das bedeutet: Egal, wie sich das äußere Leben verändert oder ob es vergeht, das wahre Wesen – das unsterbliche Bewusstsein – bleibt bestehen.
So deckt sich das buddhistische Verständnis mit den Berichten von Nahtoderfahrenen: Leben und Tod sind zwei Seiten derselben Realität, Teil eines ewigen Rhythmus von Werden, Vergehen und Neuwerden.
Eine Quantenperspektive
Darüber hinaus gibt es faszinierende Ansätze aus der Quantenphysik. Einige Forscher vertreten die These, dass die Seele und das Bewusstsein ebenso fundamentale Bestandteile der Realität sein könnten wie Raum, Zeit, Materie und Energie (Welt, 2008). Die typischen Motive von Nahtoderfahrungen – Tunnel, Licht, transzendente Wahrnehmungen – werden dabei als mögliche Hinweise gedeutet, dass Bewusstsein jenseits des sterblichen Körpers fortexistieren kann.
Auch populärwissenschaftliche Ansätze wie Die geheime Physik des Zufalls (BoD Norderstedt) widmen sich der Frage, inwiefern Quantenphänomene unser Schicksal, unsere Erfahrungen und vielleicht auch den Weg der Seele beeinflussen. Das öffnet neue Denkräume: Das, was wir Seele nennen, kann aus Sicht der Quantenphysik tatsächlich eine universelle Form von Bewusstsein sein, die mit den tiefsten Strukturen der Realität verwoben ist.

Ein besonderes Erlebnis – als meine Mutter ihren Körper verließ
Als meine Mutter starb, durfte ich miterleben, wie ihre Seele den Körper verließ. In dem Moment, in dem sie ging, erhellte sich der ganze Raum – und das war nicht nur meine Wahrnehmung. Alle Anwesenden sahen es. Wir schauten uns an und bestätigten einander, was wir erlebt hatten.
Ich stand da, staunend, tief traurig und zugleich erfüllt vom Licht dieser vertrauten Seele. Dankbar. Ergriffen. Dieses Licht war wie ein sichtbares Zeichen dafür, dass sie gut weitergeht – und dass der Tod ein Tor ist. Ein Zeichen, dass die Seele ewig ist, ihre Reise fortsetzt und wir uns als Seelen wiedersehen.
Meine eigene Erfahrung – ein kleiner Blick hinter den Schleier
Ich war Anfang zwanzig, mitten im Gesangsstudium. Eine Operation stand an – im selben Spital, in dem ich geboren wurde. Die Anästhesiefachfrau erklärte mir ruhig den Ablauf. Ich erinnere mich noch an das Rückwärtszählen: 10 … 9 … – und dann … nichts.
Der nächste klare Moment: Ich sah mich von oben. Mein Körper lag auf dem OP-Tisch, die Ärzte riefen: „Frau Meier, atmen Sie durch den Mund!“ – doch ich konnte sie nicht erreichen. Für mich war alles vollkommen ruhig, friedlich, sicher.
Während mein Körper kämpfte, schwebte ich losgelöst, frei von Angst. Ich wollte sagen: „Ich atme doch, es ist alles gut“ – und verstand nicht, warum sie so in Panik waren. Als mein Körper schließlich wieder zu atmen begann, glitt ich zurück. Die nächste Erinnerung: der Aufwachsaal.
Es war nur ein kleiner Ausschnitt dessen, was viele Nahtoderfahrene berichten – und doch hat er mich geprägt. Denn ich habe gespürt: Wir sind nicht nur dieser Körper. Wir sind Bewusstsein, wir sind Seele – und der Körper ist unser Kleid für diese Inkarnation.
Die Freiheit und der Weg der Seele
Ich glaube, dass jede Seele selbst entscheidet, wann und wie sie kommt – und wann und wie sie geht. Jede Seele wählt, welche Erfahrungen sie in dieser Polarität machen will.
Denn durch eine Inkarnation, durch das „Zu-Fleisch-Werden“, öffnen sich unzählige Möglichkeiten, sich als Seele zu erfahren: ausgetreten aus der Einheit des Alleinseins, hinein in die Welt der Gegensätze, die – wenn sie zusammengefügt werden – wieder eins sind.
Es ist der Weg der Seele: vom All-eins-Sein, hinein in die geteilte Erfahrung der Polarität – und mit all dieser reichen Erfahrung wieder zurück in das große Ganze.
Der Tod als Verbündeter
Der Tod ist in diesem Sinne kein Feind, sondern ein Verbündeter. Er ist das Tor, das Reinkarnation ermöglicht, ein Übergang im Aufstiegsprozess der Seele. Er hilft uns, Hüllen abzulegen, um weiterzugehen – um erneut zu inkarnieren, andere Dimensionen zu erfahren, in denen wir uns an unsere Weite und unser wahres Wesen erinnern.
Vielleicht ist das die wichtigste Botschaft all dieser Nahtoderfahrungen: Du bist mehr als dein Körper. Du bist Bewusstsein, du bist Seele und das ist unsterblich.
Schlussgedanke
Ein Blick von oben. Ein Raum voller Licht. Und die tiefe Gewissheit: Die Seele ist ewig. Der Tod ist ein Tor – und das Leben ein unendlicher Fluss.
Ich wünsche uns von Herzen, es tief in uns zu spüren und vielleicht hast du eine Erfahrung, welche in diese Richtung geht, an der du uns teilhaben lassen möchtest, oder Gedanken dazu welche du teilen möchtest? Im Blog hast du die Möglichkeit.. ich freue mich.
Gabriela Maria
Literaturverzeichnis
Monografien & Fachliteratur
Greyson, B. (2021). Jenseits des Todes. Was wir aus Nahtoderfahrungen für das Leben lernen können. München: Knaur.
Ikeda, D. (2003). Das Rätsel des Lebens. Eine buddhistische Antwort (2. Aufl.). München: Nymphenburger.
Ikeda, D. (2014). Das Buch vom Glück. Das buddhistische Verständnis von Leben und Tod. Freiburg, Basel, Wien: Herder.
Kellehear, A. (1993). Culture, Biology and the Near-Death Experience: A Reappraisal. Journal of Nervous and Mental Disease, 181(3), 148–156.
Kellehear, A. (2008). Census of non-Western near-death experiences to 2005: Observations and critical reflections. Journal of Near-Death Studies, 26(4), 249–265.
Kübler-Ross, E. (1972). Interviews mit Sterbenden. Stuttgart/Berlin: Kreuz Verlag.
Kübler-Ross, E., & Student, J.-C. (2018). Interviews mit Sterbenden (Neuauflage, erw. Ausgabe von 2009). Freiburg: Herder.
Moody, R. A. (2009). Leben nach dem Tod. Die Erforschung einer unerklärlichen Erfahrung (11. Aufl.). Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch.
Nichiren Daishonin. (2014). Die Schriften Nichiren Daishonins. Freiburg: Herder.
van Lommel, P. (2007). Endloses Bewusstsein. Neue medizinische Fakten zur Nahtoderfahrung. München: Patmos.
Wagner, K. (2008). Die geheime Physik des Zufalls. Quantenphänomene und Schicksal. Norderstedt: BoD.
Webquellen
Aerzteblatt. (n.d.). Nahtodeserfahrungen – die letzten Bilder. In Deutsches Ärzteblatt. Abgerufen am 15.8.25, von https://www.aerzteblatt.de/archiv/nahtodeserfahrungen-die-letzten-bilder-a547fbb2-80b8-491a-a744-21edf2f9993b
Literaturzeitschrift.de. (n.d.). Nahtod – Grenzerfahrungen zwischen den Welten. Rezension. Abgerufen am 8.8.25, von https://literaturzeitschrift.de/book-review/nahtod-grenzerfahrungen-zwischen-den-welten/
Nomen Nominandum. (2023, 5. März). Wir werden alle sterben! – Das macht aber nichts, sagt der Buddhismus. Abgerufen am 16.8.25, von https://nomennominandumdotblog.wordpress.com/2023/03/05/wir-werden-alle-sterben-das-macht-aber-nichts-sagt-der-buddhismus/
Empirische Jenseitsforschung. (n. d.). Empirische Jenseitsforschung [YouTube-Kanal]. YouTube. Abgerufen am 16.8.25, von https://www.youtube.com/channel/UCxZod2wYQ7PwXotyA1qnYQA
Welt. (2008, 22. Februar). Quantenphysik: Die Seele existiert auch nach dem Tod. In Welt Wissenschaft. Abgerufen am 16.8.25 von https://www.welt.de/wissenschaft/article1938328/Quantenphysik-Die-Seele-existiert-auch-nach-dem-Tod.htmlhttps://www.welt.de/wissenschaft/article1938328/Quantenphysik-Die-Seele-existiert-auch-nach-dem-Tod.html



