Lammas – Das erste Erntefest im Jahreslauf - 1. August
- Gabriela Maria

- 30. Juli
- 5 Min. Lesezeit

Ein Fest der Fülle, Transformation und bewussten Ernte
Hätte mich heute nicht eine Freundin darauf aufmerksam gemacht, wäre dieses Jahreskreisfest wohl an mir vorbeigezogen. In der Schweiz ist der 1. August ja ohnehin ein Feiertag – unser Nationalfeiertag – und genau deshalb hatte ich gar nicht auf dem Schirm, dass Lammas, oder im keltischen Raum Lughnasadh genannt, genau auf dieses Datum fällt.
Sie fragte mich: „Kennst du Lughnasadh? Das ist doch jetzt, am 1. August?“Ich musste ehrlich verneinen. Der Name sagte mir nichts. Erst als ich später nachschaute, fiel mir auf: Lammas – ja, das hatte ich schon mal gehört. Aber bewusst gefeiert und durchlebt habe ich es nie. Für mich war das nächste Fest im Jahreskreis bisher immer Erntedank zur Herbst-Tagundnachtgleiche, am 23. September.
Und doch: Es gibt ja bekanntlich keine Zufälle.Dass sie mich heute darauf angesprochen hat – an einem Tag, an dem ich Zeit und Raum hatte, tiefer einzutauchen, zu recherchieren, zu fühlen – das war wie ein liebevoller Fingerzeig. Und so hat es in mir begonnen zu arbeiten, zu recherchieren … zu reifen … und schliesslich zu schreiben.
Ich freue mich, diesen Beitrag nun mit dir zu teilen – vielleicht inspiriert er auch dich, innezuhalten, zu lauschen, zu spüren:
Was darf jetzt geerntet werden? Und was darf ich der Erde zurückgeben?
Viel Freude beim Lesen, Reinspüren und Mitmeditieren.
1. Ursprung & Mythologie von Lammas / Lughnasadh
Lammas – auch Lughnasadh genannt – ist das erste von drei Erntefesten im keltischen Jahreskreis. Gefeiert wird es rund um den 1. August, zur Zeit der reifenden Getreidefelder. Der Name „Lammas“ stammt aus dem Altenglischen und bedeutet „Loaf Mass“ – Brotmesse. Es war der Moment, in dem das erste Brot aus der neuen Ernte gebacken und gesegnet wurde. Ein rituelles Danken an die Erde, an das Leben.
Im keltischen Raum ist dieses Fest mit dem Licht- und Sonnenhelden Lugh verbunden. Ihm zu Ehren wurde gefeiert, gespielt, getanzt – aber auch erinnert: an seine Ziehmutter Tailtiu, die sich beim Kultivieren des Landes verausgabte und verstarb. So trägt dieses Fest nicht nur den Glanz der Fülle, sondern auch den Ruf nach Hingabe, nach Wandel, nach Weitergabe.
Traditionell wurden zu Lughnasadh Kornpuppen geflochten, Kräuter gesammelt, das erste Brot gebrochen. Es war eine Zeit der Volksfeste, Märkte, Spiele und Verlobungen – und eine Schwelle zwischen der Ausdehnung des Sommers und dem ersten zarten Hauch des kommenden Rückzugs.

2. Was Lammas uns heute schenkt
Lammas lädt uns ein, innezuhalten. Nicht erst zu Erntedank im Herbst – sondern jetzt. Wo die erste Reife spürbar ist, wo sich zeigt, was geworden ist. Auch wenn es noch nicht vollständig ist. Auch wenn nicht alles sichtbar oder perfekt scheint.
Es ist ein Fest der Dankbarkeit – für alles, was gewachsen ist, innen wie außen. Ein Fest des Bewusstwerdens: Was habe ich gesät, genährt, gepflegt? Was trage ich nun in mir an Erfahrungen, Erkenntnissen, Begegnungen, innerer Reife?
Gleichzeitig ist es auch ein Fest des Loslassens. Denn nicht alles, was gesät wurde, ist auch aufgegangen. Und nicht alles, was gereift ist, braucht uns weiter. Manche Dinge dürfen zurückgegeben werden – an die Erde, ans Leben, in Liebe.
Bei uns in der Schweiz fällt Lammas, wie es auch ich jetzt weiss ;-), zeitlich mit dem Nationalfeiertag am 1. August zusammen.
Während an diesem Tag vielerorts die Geschichte, die Unabhängigkeit und die Freiheit der Schweiz gefeiert werden, lädt uns das alte Fest Lammas auf einer eher persönlichen Ebene zur Reflexion ein:
Nicht nur, woher wir als Gesellschaft kommen, sondern auch – was ist in mir gewachsen? Was darf ich jetzt ernten? Was will ich loslassen, damit Neues entstehen kann?
So entsteht eine interessante Verbindung: zwischen dem Blick auf unsere kollektive Herkunft und dem achtsamen Wahrnehmen unserer inneren Prozesse. Beides gehört zusammen – auch das ist Teil von gelebter Freiheit.
Lammas bringt uns in Kontakt mit dem Zyklischen. Mit dem Kreislauf von Saat, Reife, Ernte und Vergehen. Und damit auch mit der Frage: Was will in meinem Leben wirklich reifen – und was darf ich jetzt gehen lassen?
Impulse für dein eigenes Ritual:
– Backe ein einfaches Brot – lass Liebe und Dankbarkeit einfliessen, während du knetest.
– Sammle Kräuter
– Spaziere durch die Felder und nimm die Farben und Gerüche bewusst wahr.
– Schreib dir auf: Was habe ich gesät? Was ist gereift? Was darf ich loslassen?
3. Mein Weg mit Lammas
Sommergold im Herzen – trotz Wetterkapriolen und verzögerter Ernte
Dieses Jahr zeigt sich die Reife bis jetzt noch nicht im Überfluss, sondern im Warten, im Geduldhaben, im Annehmen. Der Regen kam zu oft, die Getreide - Ernte verzögert sich vielerorts.
Auch in mir reift nicht alles gleichzeitig und je nach innerer Wetterlage kann ich nicht alles Ernten was reif ist. Manche Prozesse ziehen sich, andere sind überraschend schnell da. Und manche Samen habe ich gesät, ohne es zu merken.
Ich frage mich:
– Was will in mir reifen?
– Was kann ich schon ernten – vielleicht auch jenseits des Offensichtlichen?
– Was habe ich überhaupt gesät – bewusst oder unbewusst? Und welchen Samen habe ich genügend Aufmerksamkeit gegeben, wohingegen andere verkümmert sind?
– Was gilt es jetzt abzuschneiden, loszulassen, zurückzugeben an die Erde?
Diese Fragen tragen mich durch diese Schwellenzeit. Sie öffnen den Blick – nicht nur auf das, was geworden ist, sondern auch auf das, was noch unterwegs ist.
Einladung an dich:
Meditation zur inneren Ernte – Lughnasadh

Finde einen ruhigen Ort. Vielleicht draussen in der Natur. Oder am Fenster, mit Blick auf etwas Lebendiges. Setz dich bequem hin. Spüre den Boden unter dir. Lass deinen Atem kommen und gehen – weich, natürlich.
Stell dir vor, du stehst am Rand eines goldenen Feldes.
Reife Ähren wiegen sich im Wind. Die Luft ist warm, die Farben satt.
Du spürst: Hier ist etwas gereift. Es war nicht immer leicht. Es war nicht immer klar.
Aber jetzt ist es da. Die Erntezeit.
Geh langsam über das Feld. Spür die Erde unter deinen Füßen. Vielleicht barfuß. Vielleicht trägst du einen Korb bei dir.
Schau dich um: Welche Pflanzen stehen da? Was wächst dort?
Und was davon symbolisiert einen Teil von dir?
Eine Erfahrung? Ein Projekt? Ein Lernprozess?
Was darfst du jetzt ernten?
Vielleicht gehst du zu einer dieser Pflanzen. Legst die Hand darauf. Und hörst einfach zu.
Frage dich still in deinem Inneren:
– Was ist in mir gereift – durch Licht und durch Dunkel?
– Was kann ich jetzt in Dankbarkeit zu mir nehmen?
– Was davon nährt mich? Was darf ich teilen?
– Was ist überreif? Was darf gehen?
Stell dir vor, wie du die Ernte in deinem Korb sammelst.
Vielleicht findest du auch etwas, das welk ist, vergangen.
Etwas, das du zurückgibst an die Erde – als Dünger für Neues.
Atme ein … und aus.
Vielleicht sprichst du innerlich ein Dankwort – an dich, an die Erde, an den Weg.
Langsam gehst du zurück an den Feldrand.
Du schaust zurück – und spürst: Es ist gut. Es ist genug. Du bist genug.
Mit deinem inneren Korb voller Bilder, Erkenntnisse, Kraft kommst du zurück ins Hier und Jetzt.
Bewege deine Hände. Atme tiefer. Öffne deine Augen.
Wenn du magst, notiere, was du gesehen, gespürt, erkannt hast.
herzlichst Gabriela Maria
Quellen meiner Recherchen:
Druidenwelt: Lughnasadh – Schnitterfest und Getreideweihe
Schweizerische Bundeskanzlei: 1. August – Nationalfeiertag der Schweiz
Helvetische Geschichte: Kelten in der Schweiz
Enzyklopädie Britannica: Lammas Festival
Wikipedia (engl.): Lammas
Wikipedia (engl.): Tailtiu and the Tailteann Games



