Herbst-Equinox – Balance zwischen Licht und Dunkel
- Gabriela Maria

- 19. Sept.
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 21. Sept.
Fotos by Gabriela
Sehr persönliche Einleitung
Die letzten zwei Wochen hatte ich Ferien und bin ans Meer nach Südfrankreich gefahren. Zuvor war mein Leben sehr voll – viel Arbeit in meiner Tätigkeit als Sozialberaterin, dazu private Verpflichtungen, wenig Raum nur für mich. Seit langem hatte ich mir keine wirklichen Phasen von Nichtstun und Pausen gegönnt, in denen ich einfach entspannen, nichts tun und mich dem Fluss hingeben konnte. Kaum am Meer angekommen, wurde mir ein kleines „Krönchen“ aufgesetzt – mit Fieber und Schüttelfrost, das mich zur Ruhe zwang. Ob Corona (Krone) oder nicht: Es war ein deutliches Zeichen, dass mein Körper mir wieder einmal vor Augen führte, wie dringend nötig solche Pausen sind. Frustrierend war für mich, dies erneut über eine somatische Reaktion erfahren zu müssen, ohne DIE Lösung vor Augen zu haben, die garantiert, dass es nicht wieder passiert. Mich dem Nichtwissen hinzugeben – einfach zu akzeptieren, dass ich nicht immer sofort weiß, was richtig ist – fällt mir schwer.Trotzdem spüre ich, dass diese Phasen von Nichtstun nicht Luxus sind, sondern Nahrung für die Seele. Für mich gehören dazu auch Momente, in denen ich in meine eigene Tiefe gehe – nicht, um etwas zu optimieren oder besser zu werden, sondern um einfach bei mir selbst anzukommen. Da ich diese Situation nach wie vor herausfordernd finde, hoffe ich für mich selbst, dass die Jahreskreisfeste mir als kleine Anker dienen können und einen Beitrag in eine gute Richtung darstellen. Sie laden ein, innezuhalten, sich mit der eigenen inneren Natur zu verbinden und die Zyklen im Außen bewusst wahrzunehmen. Gerade jetzt, zum Herbst-Equinox, öffnet sich ein schöner Raum, um Dankbarkeit, Balance und Rückverbindung zu üben. Bei mir ist da definitiv noch Luft nach oben :-). Ich möchte diese Gedanken teilen, da vielleicht auch Du solche Situationen kennst und ebenso wie ich kleine Anker brauchst, um immer wieder bewusst für das Positive zu entscheiden.
Fotos by Gabriela
Historischer Hintergrund
Die Herbst Tag und Nachtgleiche fällt auf den 21. oder 22. September. Das Wort Equinox kommt aus dem englischen Sprachgebrauch und es gefällt mir, es ist kurz und bündig, es stammt aus dem Lateinischen und heisst eigentlich Aequinoktium, das bedeutet aequus "gleich“ und nox „Nacht“. An diesem Zeitpunkt sind Tag und Nacht gleich lang, bevor die Nächte länger werden und die Dunkelheit langsam die Oberhand gewinnt.Schon in alten Kulturen wurde diese Balance wahrgenommen. Während zum Lammas-Fest (Anfang August) die erste Ernte gefeiert wurde, stand nun die zweite Ernte im Mittelpunkt: Früchte, Gemüse, Nüsse und Getreide waren eingelagert, das Vieh teils geschlachtet. Es war die Zeit, Vorräte für den Winter zu sichern – ein Fest des Dankes, aber auch ein Moment, die Vergänglichkeit anzuerkennen.Archäologische Stätten wie Stonehenge oder das Sonnenheiligtum von Goseck (Deutschland) zeigen, dass Sonnenauf- und -untergänge zu den Sonnenwenden und Tagundnachtgleichen markiert wurden. Solche Bauwerke legen nahe, dass auch unsere Vorfahren diese Schwellen des Jahreskreises bewusst beachteten.In der Schweiz gibt es keine direkten schriftlichen Quellen zu Ritualen des Herbst-Equinox, doch ländliche Traditionen des Herbst-Dankens – wie Alpabzüge, Erntebräuche oder Kirchweihfeste – zeigen, dass der Übergang zur dunkleren Jahreszeit stets ein besonderer Moment war. Der Ausdruck „Mabon“ für den Herbst-Equinox ist neuheidnisch und tauchte erst in den 1970er-Jahren in der Wicca- und naturspirituellen Szene auf. In der keltischen Mythologie ist Mabon ein jugendlicher Gott, doch ein historisches Fest dieses Namens hat es nicht gegeben.Eine Verbindung zum christlichen Michaelisfest (29. September) ist naheliegend: Auch hier wird der Übergang in die dunklere Jahreshälfte markiert, verbunden mit dem Bild des Erzengels Michael, der mit Licht und Schwert die Mächte der Finsternis in Schach hält. Für mich bringt er sinnbildlich Yin und Yang (Gegensätze) in Balance. Denn auf unserem Weg durch die Zeiten in der Dualität braucht es die Gegensätze um sich erfahren zu können, ohne die Dunkelheit geht es nicht, dann erfahren wir uns nicht, doch wenn Licht und Dunkel aus der Balance fallen, dann ist es sehr anstrengend, es braucht beides GLEICH-GÜLTIG (=Balance).
Fotos by Gabriela
Spirituelle Bedeutung
Das Herbst-Aequinoktium ist ein Moment der Balance. Licht und Dunkel sind im Gleichgewicht, bevor die Dunkelheit die Oberhand gewinnt. Symbolisch erinnert uns das daran, dass auch in uns Gegensätze wirken: Aktivität und Ruhe, Geben und Empfangen, Außen und Innen, männlich und weiblich, Yin und Yang, alles ist in uns und möchte in Balance sein. Während im Frühling (Beltane) das Leben aufbricht und im Sommer (Lammas) die Fülle ihren Höhepunkt erreicht, fordert uns das Herbst-Equinox auf, hinzuschauen, wo etwas aus der Balance geraten ist. Ist Geben und Nehmen im Einklang? Sind meine männlichen und weiblichen Energien ausbalanciert? Welchen Ballast kann ich abwerfen um wieder ins Gleichgewicht zu kommen? Wo ist eine Leere die ich mir selber füllen darf? Welche ungedeckten Bedürfnisse zeigen sich immer wieder und möchten genährt werden? Kann ich das sehen was ich habe und dankbar dafür sein? Was braucht es dazu?
Schlussgedanken & Einladung
Das Herbst-Equinox erinnert uns daran, dass das Leben aus Zyklen besteht. Momente der Fülle und des Lichts wechseln sich ab mit Zeiten der Ruhe und der Dunkelheit. Gerade im Übergang liegt die Einladung, bewusst hinzusehen und anzunehmen.Für mich sind die Jahreskreisfeste kleine Anker im Alltag. Sie geben mir Orientierung, erinnern mich an das, was wesentlich ist, und laden mich immer wieder ein, Balance und Dankbarkeit zu üben. Vielleicht können sie auch für dich ein solcher Anker sein – ein leiser Hinweis, dich immer wieder für das Positive zu entscheiden.
Möge dich die Tagundnachtgleiche darin unterstützen, die Balance in deinem eigenen Leben zu finden – zwischen Tun und Ruhen, Geben und Empfangen, Licht und Dunkel. Ich wünsche dir, dass du die Fülle dieses Moments wahrnehmen kannst und kleine Anker für dich entdeckst, die dir im Alltag Halt und Orientierung schenken.
Vielleicht magst du dir dazu Zeit nehmen und die folgende Meditation, welche ich zum Aequinotikum kreiert habe an einem ruhigen Ort zu Hause oder in der Natur ausprobieren – als eine Einladung, dich in deinem Herzen zu zentrieren, dich zu erden, mit der Quelle zu verbinden und deine innere Balance zu finden.
Mit herzlichen Grüssen
Gabriela Maria
Herzraum-Meditation zur Equinox – Innere Balance
Heute, an der Tag- und Nachtgleiche, sind Licht und Dunkel im vollkommenen Gleichgewicht. Diese Meditation führt dich in deine innere Balance, in die Harmonie von Gegensätzen – männlich und weiblich, Yin und Yang, Himmel und Erde, Wärme und Kälte. Alle Elemente. Alles darf sich in deinem Herzraum in einer neuen Mitte verbinden.
1. Herzraum aktivieren
· Setze dich bequem hin, richte deine Wirbelsäule auf, Füße fest auf dem Boden.
· Lege deine Hände auf dein Herz und atme sanft ein und aus.
· Spüre, wie sich dein Herzraum öffnet – mit Wärme, Ruhe, Lebendigkeit oder Pulsieren.
· Lass die Energie von Liebe, Klarheit und Frieden in dir spürbar werden.
2. Die aufrechte Acht zwischen Erde und Quelle
·Stelle dir eine aufrechte Acht (∞) vor, die aus deinem Herzraum entspringt.
·Die untere Schleife führt hinab zu Mutter Erde. Spüre die Kraft der Erdung: stabil, schwer, nährend, tragend.
·Die obere Schleife führt hinauf zur Quelle, zur lichten, universellen Kraft. Spüre Leichtigkeit, Weite, Klarheit, Inspiration.
·Lass die Acht mehrmals fließen: Herz → Erde → Herz → Quelle → Herz.
Wenn währenddessen Gefühle auftauchen – Ärger, Ungeduld, Traurigkeit oder Themen, die dich beschäftigen – nimm sie bewusst wahr. Geh bewusst in die Quelle und gebe dort die Intension diese zu heilen, zu transformieren, sich aufzulösen. Spüre, wie sie sich verwandeln und in neuer Form, gereinigt, wieder in dein Herz zurückströmen.
3. Innere Balance spüren
· Lade nun die Gegensätze ein: männlich und weiblich, Yin und Yang, Licht und Dunkel, Wärme und Kälte, Himmel und Erde, Liebe und Nicht-Liebe, Ruhe und Handlung usw., alles was sich dir an Gegensätzen zeigt.
· Stell dir vor, wie sie sich, ein Paar nach dem Anderen - in deinem Herzraum gegenüberstehen – und dort in eine harmonische Balance treten. Auch hier, wenn Widerstände oder Emotionen auftauchen verfährst du wie oben, in dem du sie transformierst.
·Spüre, dass beide Pole gleich wichtig sind, sich ergänzen und miteinander tanzen.
·Finde in der Mitte deines Herzens deine innere goldene Mitte, dein Gleichgewicht.
4. Innere Ernte & Dankbarkeit
·Stelle dir nun in deinem Herzraum einen Korb vor.
·Lege hinein, wofür du in diesem Jahr dankbar bist – kleine und große Dinge.
·Spüre die Fülle, die Dankbarkeit, das Strahlen deines Herzens, das durch Balance und Verbundenheit mit Erde und Quelle noch stärker wird.
5. Integration & Abschluss
·Atme tief ein und aus. Spüre dein Herz, deinen Körper, die Verbindung zur Erde unter dir.
·Nimm die Balance in dir wahr: zentriert im Herz, geerdet durch die Erde, verbunden mit der Quelle.
·Bedanke dich still – bei dir selbst, bei der Erde, bei der Quelle, beim Leben.
·Öffne sanft deine Augen, bewege deinen Körper leicht, und trage diese innere Balance in deinen Alltag.
Diese Meditation kannst du immer wieder zur Tag- und Nachtgleiche oder auch zwischendurch praktizieren, wenn du Balance und innere Mitte suchst.
Quellen & Literaturhinweise zum historischen Hintergrund:
·Bächtold, Hans Rudolf: Die Jahreszeitenfeste im alten Europa. Zürich: Artemis Verlag, 1998.
·Green, Miranda: The World of the Druids. London: Thames & Hudson, 1997.
·Maier, Bernhard: Die Religion der Kelten: Götter, Mythen, Weltbild. München: C.H. Beck, 2001.
·Schweizerisches Nationalmuseum: Online-Artikel „Feste und Bräuche im Jahreslauf“.
·Eliade, Mircea: Das Heilige und das Profane. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1986.
·Hutton, Ronald: The Stations of the Sun: A History of the Ritual Year in Britain. Oxford University Press, 1996.







































